Reflexion der Rolle als Lehrperson

Vorbereitung / Vor der Einheit

  • Auftragserteilung / Zielsetzung

Um selbstständiges Arbeiten zu ermöglichen, müssen die Rahmenbedingungen für ein Projekt vorgängig klar definiert und abgesteckt werden. Es ist wichtig, eine klare Vorstellung vom Endprodukt, also ein klares Ziel vor Augen zu haben. Der Auftrag muss so aufgestellt werden, dass die Schülerinnen und Schülern auf ihren eigenen Wegen zu diesem Ziel kommen.

Die Auftragserteilung ist stark vom Niveau der Schülerinnen und Schüler abhängig. Je schwächer die Klasse, desto kleinere Etappen sollten geplant werden. Arbeiten schwächere Schülerinnen und Schüler nach dem konstruktivistischen Ansatz, ist es wichtig, ihnen zwischendurch Anhaltspunkte zu geben. Je weniger Anhaltspunkte gegeben werden, desto mehr Unterstützung werden die Schülerinnen und Schüler brauchen.

  • Material / Geräte / Programme / Räume

Ein digitales Unterrichtssetting kann nur funktionieren, wenn genügend Geräte vorhanden sind. Einerseits brauchen alle Schülerinnen und Schüler ihr eigenes Gerät. Andererseits braucht es möglicherweise weitere Geräte – in meinem Fall Audio-Aufnahmegeräte, Kameras und Mikrofone.

Die Geräte der Schülerinnen und Schüler müssen über gewisse Programme verfügen resp. Anforderungen erfüllen, damit gewisse Programme heruntergeladen werden können.

Für Aufnahmen müssen geeignete Räume zur Verfügung stehen. Diese müssen reserviert sein, allenfalls sind Absprachen mit anderen Lehrpersonen notwendig.

Begleitung / Während der Einheit

  • Unterstützung fachlich

Je nach Thema und Niveau ist die Rolle hier sehr unterschiedlich. Es zeigte sich, dass gewisse Themen, wie etwa der Zusammenhang von Klimaschutz und Nachhaltigkeit, für die Schülerinnen und Schüler einfacher fassbar waren als andere, wie zum Beispiel der Einfluss von globalen Partnerschaften zur Friedensförderung auf die Nachhaltigkeit.

Während einige von ihnen problemlos durch das Internet navigierten und Antworten auf ihre Fragen fanden, verloren sich andere in den Weiten des Netzes, ohne einen Lernerfolg zu erfahren.

In diesem Bereich habe ich die Schülerinnen und Schüler bei ihrer Arbeit zuerst leise beobachtet, um ihnen anschliessend eine Rückmeldung und ein paar Tipps zu ihrer Arbeit geben zu können. Oftmals lag das Problem darin, dass sie nicht nach den geeigneten Begriffen suchten oder Zusammenhänge zwischen den einzelnen Begriffen nicht erkannten.

  • Unterstützung technisch

Die Schülerinnen und Schüler sind auf sehr unterschiedlichen Wissensständen. Einige von ihnen haben bereits grosse Erfahrung im Umgang mit Kamera und Schnittprogrammen, während andere hier komplettes Neuland betreten.

Eine kleine Einführung seitens der Lehrperson in die vorhandene Technik (z. B. spezifische Kamera- und Mikrofonmodelle) ist meiner Ansicht nach unumgänglich, um ein solches Projekt in einer vernünftigen Zeit zu erarbeiten. Viele Programme, Tipps und Techniken bringen sich die Schülerinnen und Schüler aber mit Hilfe des Internets, z. B. durch Tutorials auf Youtube, oder durch gegenseitigen Austausch bei.

Nicht alle Schülerinnen und Schüler sind bei der Suche nach Lösungen gleich kreativ. Je nach Zeit, welche für das Projekt zur Verfügung steht, fällt auch die Unterstützung der Lehrperson aus: In Phasen, in welchen uns genügend Zeit zur Verfügung stand, habe ich die Schülerinnen und Schüler angeleitet, um sich selber eine Lösung zu finden. Wenn die Zeit aber knapp war, habe ich häufig direkt eine Lösung aufgezeigt.

Nachbereitung / Nach der Einheit

  • Rückblick auf den Lernfortschritt (Ziel erreicht?)

Vor der Arbeit wurde ein Ziel festgelegt. Nun gilt es aus Sicht der Lehrperson zu beurteilen, ob das Ziel erreicht wurde.

Zusammen mit den Schülerinnen und Schülern muss individuell auf die geleistete Arbeit zurückgeblickt werden. In meinem Fall musste ich keine Beurteilung im Sinne einer Note für das Projekt abgeben. Ich habe aber nach Abschluss des Projekts mit allen Schülerinnen und Schülern ein kurzes Gespräch geführt. Dabei wollte ich von ihnen wissen, was ihnen mehr und was weniger gefallen hat, wo es Schwierigkeiten gab, was ihnen leicht gefallen ist.

Die Schwierigkeit für mich war, dass nicht alle zur gleichen Zeit fertig waren. Je länger das Projekt dauerte, desto mehr Unterstützung brauchten die Schülerinnen und Schüler. Jedes Schlussgespräch brauchte seine Zeit und natürlich meine volle Aufmerksamkeit. Diese Abschlussgespräche müssen gut geplant und vorbereitet sein, besonders müssen diese im Projekt-Fahrplan von Anfang an festgehalten werden. Je besser die Schülerinnen und Schüler vorbereitet zum Gespräch kommen, desto effizienter kann das Gespräch geführt werden und desto höher ist ihr Erkenntnisgewinn.

  • Nachbearbeitung  – wie weiter?

Je nach Thema ist es sehr schade, wenn ein solches Projekt einfach abgeschlossen wird. Bei einem guten Projekt bestehen zumindest in einigen Teilen Ansatzpunkte, die im späteren Unterricht wieder aufgegriffen werden können, sei es im fachlichen oder im technisch-methodischen Bereich.

In meinem Projekt ist der technische Teil mit dem Schuljahr abgeschlossen. Möglicherweise werden wir im 9. Schuljahr noch ein kleines Filmprojekt in Angriff nehmen, bei welchem wir auf die gelernten Methoden zurückgreifen können. Der inhaltliche Teil wird anlässlich der Projektwoche mit der ganzen Oberstufe noch einmal aufgenommen.

Fazit

Die Rolle der Lehrperson kann während der Arbeit an einem digitalen Unterrichtsprojekts unterschiedlich ausgelegt werden.  Die Lehrperson ist sicher nicht mehr die allwissende Person, die rein aus ihrer Erfahrung und ihrem Wissen weiterhelfen kann.

Die Lehrperson kann den Fokus in allen Bereichen komplett auf die Hilfe zur Selbsthilfe legen. Das braucht aber sehr viel Zeit, und die Lehrperson wird so oft zur gleichen Zeit von mehreren Schülerinnen und Schülern für sich beansprucht.

Die andere Extremform wäre, dass die Lehrperson sehr enge Vorgaben macht und den Schülerinnen und Schülern immer ihren Weg aufzeigt. Dieses Vorgehen spart zwar Zeit, hemmt aber die (wertvollen) Erkenntnisgewinne, welche die Schülerinnen und Schüler selber erfahren.

Für die Realität im Schulunterricht im Zyklus 3 ist wohl eine Mischform von beiden Formen am geeignetsten. Für Perfektionismus steht schlicht und einfach zu wenig Zeit zur Verfügung.

Je mehr aber in solchen Settings gearbeitet wird, desto besser können die Schülerinnen und Schüler damit umgehen und desto mehr eigene Methoden kennen sie. Die Rolle der Lehrperson ändert sich also deutlich: Sie ist nicht mehr allwissend, sondern zeigt den Schülerinnen und Schülern auf, wie sie selber arbeitet.